Donnerstag, Dezember 09, 2004

Zusatzinfo zur Antarktis-Expedition von d'Urville (1837-1840)


Bild: "Astrolab" und "Zelee", vorne links jagt ein Mann der Besatzung gerade Robben oder Pinguine

Am 10.Dezember 1827 sind die zwei Schiffe nördlich der Magellanstraße, Weihnachten wird in der Magellanstraße verbracht. Die Besatzung fischt und jagt Gänse und bereitet die Schiffe auf die antarktischen Gewässer vor. Am 8. Januar 1838 verlassen die "Zelee" und die "Astrolabe" die Magellanstraße und nimmt Kurs auf die Antarktis, 4 Tage später starker Nebel und Regen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Am 31. Januar werden die ersten Eisberge gesichtet. d'Urville will der Route von Wedell folgen, der hier 1823 nach Süden segelte, allerdings unter ungewöhnlich milden Bedingungen.

Bemerkenswert: die Besatzung der Zelee und der Astrolabe hatte vom französischen König eine zusätzliche Belohnung von 100 Gold-Franc versprochen bekommen, falls es der Expedition gelingen sollte, weiter wie 75°Süd vorzudringen, weiter als es Wedell zuvor geschafft hatte. Das eigentliche Ziel der Expedition war die genaue Lokalisierung des magnetischen Südpols. Die Klärung dieser Frage muß in der wissenschaftlichen Welt der damaligen Zeit absolut elektrisierend gewesen sein!

Am 2. Februar 1838 fahren beide Schiffe in eine langgestreckte Bucht ein, zum großen Schrecken der Besatzung schließt sich aber in der Nacht das Eis hinter ihnen: Erst unter gewaltigen Mühen kann man sich nach 5 Tagen ununterbrochener Arbeit wieder befreien. Mit Pickeln und Äxten und unter Einsatz aller 180 Mann wird die Bucht wieder verlassen.


Bild: zeigenössisches Gemälde, Befreiung der Astrolab aus dem Eis

Zu diesem Zeitpunkt befindet sich d'Urville also schon im Bereich der nördlichen Bereiche der antarktischen Halbinsel, allerding wohl noch nicht im Festlandbereich. Am 27. Februar 1838 erreichen sie die äußerstes Spitze der antarktischen Halbinsel und geben den Inseln den noch heute gültigen Namen Louis-Philippe Land (zu Ehren des Königs) und Joinville Land.

Die Expedition von d'Durville im Kontext der heutigen Antarktis-Station GARS O'Higgins:

Sie verbringen Ende Februar und bis Anfang März 1838 im Bereich der nördlichen Halbinsel, während dieser karthografischen Tätigkeit bekommt der "Hausberg" der heutigen Forschungsstation O'Higgins seinen Namen "Mont Jacquinot" (siehe unten) ebenso wie die 40 Kilometer weit entfernte Insel, die nach dem Schiff des Kommandanten den Namen "Astrolab" bekommt. In diesen Tagen bricht nach den Expeditionsberichten erstmals die gefürchtete Seefahrerkrankheit "Skorbut" auf beiden Schiffen aus, eine Vitamin-C Mangelerscheinung, die für tausende Seefahrer damaliger Zeit mit dem Tod endete. Die Ursachen waren noch unbekannt.
Am 27. März sind schon 27 Männer an Skorbut erkrankt und beide Schiffe gleichen einem schwimmenden Krankenhaus. Am 6. April erreicht man Talcahuano in Chile. Ein Mann der Besatzung stirbt zuvor auf See an Skorbut und kurz nach der Landung in Chile desertieren 9 Mann. Etliche Männer, die zu schwach zur Weiterreise nach Valparaiso sind, werden krank zurückgelassen, eine Handlungsweise, die ihm später noch viel Kritik einbringen sollte.

Zwischen Mai 1838 und Oktober 1839 segelt die Expedition im südlichen Pazifik und verbringt in Tasmanien die Zeit bis zum Aufbruch auf die letzte Etappe der Expedition. Die Mannschaft erleidet durch verschiedene Krankheiten erhebliche Verluste, alleine in Hobbart/Tasmanien sterben 6 Mann, zuvor 14 Mann auf See.

Am 2. Januar 1840 bricht die Expedition von Tasmanien auf und segelt in Richtung Antarktis, wo das heutige Adelie-Land entdeckt wird. Adelie war der Name seiner Frau und auch der Adelie-Pinguin wird durch die Biologen an Bord so benannt. Die Reise zurück führt über Tasmanien, Neuseeland, Neu-Guinea und Timor (Indonesien) und am 6. November 1840 treffen beide Schiffe wieder im französischen Hafen Toulon ein.



Fazit: die Recherchen haben ergeben, dass der unmittelbare Bereich um die heutige Forschungsstation erstmals 1838, und zwar im Zeitraum Februar/März, von der französischen Polarexpedition von d'Urville karthographisch erfasst wurde. Zahlreiche Landmarken bekamen während diesem Expeditionsabschnitt ihre heutigen Namen.

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Quellen:
persönliche Mitteilung von Robert B. Stephenson (the Antarctic Circle: http://www.antarctic-circle.org - Coordinator). Er schreibt am 9.Dez. 2004 in einer eMail, dass im "US-Board on Geographic Names, 1995" folgendes steht:

Astrolabe Island 63 deg 17'S, 58 deg 40' W
Island 3 miles long, lying in Bransfield Strair 14 miles NW of Cape
Ducorps, Trinity Peninsula. Discovered by the French expedition, 1837-40,
under Capt. Jules Dumont d'Urville, and named by him for his chief
expedition ship, the 'Astrolabe.'


Bild: Wissenschaftliche Arbeiten zum Erdmagnetismus während der d'Urville-Expedition

Mount Jacquinot 63 deg 22'S, 57 deg 53'W
Pyramidal peak, 475 m. with exposed rock on its N side, lying 3 miles S of
Cape Legoupil and 1 mile E of Huon Bay, on the N side of Trinity Peninsula.
Discovered by a French expedition, 1837-40, under Capt. Jules Dumont
d'Urville, who named it for Lt. Charles Jacquinot, commander of the
expedition ship 'Zelee.'

Weitere Beschreibungen der Expedition von Durville sind der Seite www.south-pole.com entnommen.




Links:

Deutsch: d'Urville (Wikipedia)
English: d'Urville (Wikipedia)

1 Kommentar:

Dot K hat gesagt…

Fascinating - to think these expeditions were in the 1800's - it is just incredible to think of the hardships they must have endured in the pursuit of "Discovery" - or destruction in the case of many of the animals they found and slaughtered.